Was macht Kindern Stress?

Beispiel frühe Fremdbetreuung

(keine Wertung – nur ein Beispiel)

Viele Termine müssen nicht unbedingt Stress bedeuten für ein Kind. Stress entsteht vor allem dann, wenn Termine mit Ängsten und Sorgen – z.B. durch zu hohe Anforderungen – zu tun haben. Bei Kindern lassen sich drei Quellen als Hauptursache für Stress nennen:

  • „Entwicklungsaufgaben“ (z.B. die Anpassung von der weitgehend unbeschwerten Zeit im Kindergarten an die Schule)
  • einschneidende Lebensereignisse (z.B. eine Scheidung der Eltern)
  • alltägliche Belastungen durch ständige Überforderung (z. B. in Fremdbetreuung)
  • Erfolg und Leistungsdruck orientiert am Erziehungsstil

(Wir zeigen hier ein paar Beispiele auf im Zusammenhang mit Krippeneintritt – da das oft weniger bewusst ist wie viel Stress das für die Kleinkinder bedeuten kann)

Angst macht Stress

Kleinkinder erleiden viele verschiedene Ängste: Verlassensangst, Angst vor Fremden und unbekannten Situationen, Angst vor dem Alleinsein, Angst aus Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit, Angst vor Ungewissheit, Angst schutzlos ausgeliefert zu sein…

Auch die beste KITA kann nicht verhindern, dass Kinder, die ganztags in einer KITA untergebracht werden, einen sie überfordernden Dauerstress erleben. Dauerstress wiederum, so zeigen sehr viele Studien, hemmt die Entwicklung des Gehirns und damit auch die Entwicklung wichtiger geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten.
Man muss deshalb damit rechnen, dass Eltern, die sich für eine KITA entscheiden, dazu beitragen, dass sich die Chancen ihres Kindes, sich seinen genetisch mitgegebenen Begabungen gemäß zu entwickeln und zu entfalten, deutlich verringern.Serge Sulz

Serge Sulz

Angst erzeugt Stress

Reizüberflutung macht Stress

Nicht nur der permanente Lärm stört die Wahrnehmung: wechselnde Bezugspersonen, viele große unübersichtliche Räume, Beschäftigungsangebote, eine Fülle an Spielzeug, Tagesprogramme, … belasten zusätzlich. Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten, keinen Ort, den man als Kind für sich allein beanspruchen könnte, und keine Person, die die volle Aufmerksamkeit bietet, die das Kind so dringend bräuchte.

Ein weiterer Grund für Stressbelastung ist die Reizüberflutung. Kinder sind in den ersten zwei Jahren entwicklungsbedingt nicht in der Lage, sich mehrere Stunden auf viele Spielpartner und Aktionen einzustellen. Die sensomotorische Entwicklung benötigt ruhigen Raum, der vom Kind selbst gesteuert werden muss, damit sich alle Fähigkeiten ungestört entwicklen können….

Dr. Erika Butzmann

Lernen unter Stress

Kinder entwickeln sich individuell und lernen in ihrem eigenen Rhythmus und einem sehr individuellen Tagesrhythmus. Es gibt Kinder, die am liebsten noch zweimal am Tag schlafen würden, vor allem dann, wenn sie früh schon sehr zeitig geweckt werden. Ebenso verhält es sich mit den Essgewohnheiten und dem Hunger- bzw. Appetitgefühl. In der Gruppe kann auf derartige individuelle Bedürfnisse nicht eingegangen werden: es gibt einen festen Tagesablauf, in dem die Kinder funktionieren müssen. Für manch einen mag das eine hilfreiche Routine werden, für andere führt es zur kompletten Überforderung. Individuelle, kindliche Befindlichkeiten werden womöglich auf Dauer übergangen.

Eine erste Studie zum Cortisol-Tagesprofil von Krippenkindern wurde Ende der 1990er Jahre durchgeführt. Die Ergebnisse (…) konnten zeigen, dass die Stressbelastung für ein ganztags betreutes Krippenkind durchschnittlich höher liegt als für einen erwerbstätigen Erwachsenen

Dr. Rainer Böhm

Lärm macht Stress 

Selbst wenn alle Kinder einer Gruppe friedlich spielen, so ist der Geräuschpegel zu keiner Zeit mit dem aus dem häuslichen Umfeld zu vergleichen. Kinder sind nie leise. Hinzu kommen Ermahnungen und Erklärungen der Erzieher/innen, lautes Rufen und häufig auch Schreien und Weinen. Das ist sehr anstrengend und beeinflusst zudem auch die Sprachentwicklung: die eigentlich wichtigen Sprachreize und Anregungen können aus der geräuschvollen Umwelt nur unzulänglich oder gar nicht gefiltert werden.

Neben dieser Überforderung kann die im zweiten Lebensjahr noch ungefilterte Reizoffenheit der Kinder zu einer Schwächung der Wahrnehmungskraft führen. Die Kinder können auf Grund des noch nicht voll ausgebildeten Ichbewusstseins der Reizflut nichts entgegensetzen, sie können sich also noch nicht davor schützen.

Dr. Erika Butzmann

Ich möchte festhalten dass ich Kinderkrippem auf keinen Fall schlecht reden möchte. Es soll beispielhaft nur zeigen, dass gewisse Faktoren Stress auslösen können, derer wir uns unter Umständen nicht bewusst sind. Wir sehen dann eine Änderung im Verhalten oder Probleme und können und nicht erklären woher das kommt. Die Ursache ist dabei multifaktoriell – es ist kaum je so, dass es nur eine Ursache gibt die „Schuld“ ist. Auf der Suche nach Schuld sollten wir ohnehin nicht sein. Nur auf der Suche nach Wohlbefinden.

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